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UNPREDICTABLE

Die Gruppenausstellung mit Susanne Kutter, Cornelia Renz, Ulf Saupe, Nicola Ukic, Mario Weinberg kuratiert von GREEN | GONZALEZ widmet sich dem Phänomen des Zufalls und des Unvorhersehbaren in der Kunst.

ARTIST TALK Samstag, 18 März, 15 Uhr mit: Susanne Kutter, Cornelia Renz, Ulf Saupe, Nicola Ukic, Mario Weinberg
Moderation: GREEN I GONZALEZ

Das Zufallsprinzip wird von den teilnehmenden Künstlern*Innen in den Genres Malerei, Skulptur, Videokunst, Fotografie, Druckgrafik und Zeichnung als Kompositionsmittel eingesetzt oder im Werk thematisiert. Die Ausstellung zeigt, wie der Zufall formal und technisch auf die Werke Einfluss nimmt und stellt die Fragen nach dem Verlust der kreativen Kontrolle des Künstlers.

Die Macht des Zufalls hat etwas Geheimnisvolles, das im alltäglichen Leben oft mit Schicksal, Vorherbestimmung, Glück und der Außerkraftsetzung von Naturgesetzen in Zusammenhang gebracht wird. Naturwissenschaftler begannen Mitte des 20. Jahrhunderts den Faktor Zufall zu erforschen, denn bis zur Entwicklung der Quantenphysik gingen sie davon aus, dass jedem Vorgang im Universum eine gegebene Ursache zu Grunde liegen müsse. Das Kontingente, das Zufällige in der Philosophie ist seit Jahrhunderten ein viel besprochenes Thema. Viele Religionen oder Naturkulte sind fest mit einem Schicksalsglauben verknüpft, der von einem vorher-bestimmten Leben durch eine überirdische Macht zeugt.

In der Bildenden Kunst wird das Zufallsprinzip ebenfalls ab dem 20. Jahrhundert verstärkt methodisch eingesetzt. Man kann demnach von einer Zähmung des Zufalls sprechen, da er im Rahmen eines künstlerischen Konzepts herbeigeführt wird, das Ergebnis allerdings nicht oder kaum steuerbar ist. Bekannte Künstler wie Niki de Saint Phalle, Francois Morellet oder Jackson Pollock ließen den Zufall in ihren Arbeiten mitwirken.

Wie bedienen sich Künstler unserer Generation des Zufalls?
Wir leben in einer Zeit, in der Algorithmen fast alle Menschen transparent gemacht haben, berechenbar in ihrem Konsumverhalten, zuordenbar in der Auswahl an Wünschen und Bestreben, filterbar nach Mentalität und Motivation. Die Ausstellung UNPREDICTABLE lenkt den Blick auf zeitgenössische Positionen, die alle im kunsthistorischen Zusammenhang eine eigene Nische besetzen und deren Gemeinsamkeit ist, den Zufall als Kompositionsprinzip einzusetzen.

Die Berliner Video-, Objekt- und Installationskünstlerin Susanne Kutter beschäftigt sich mit Räumen, in denen sich Spuren vom Öffentlichen zum Privaten in beide Richtungen bewegen. Sei es als Schauplatz im Video, als räumliche Installation oder als Objekt – Kutter inszeniert behagliche private Rückzugsorte, um sie erst einer unbekannten äußeren Kraft auszusetzen und sie anschließend zu zerstören. Dabei kann die physische Zerstörung Sinnbild eines inneren Konflikts sein oder einen Konflikt aus der Außenwelt spiegeln und doch bleibt vor allem die unerschütterliche Kraft im Vordergrund, die beschauliche, liebevolle Innenräume außer Kontrolle geraten lässt.

In ihrer Performance spielt sie mit der Kraft der Sprache, die ebenfalls aus zwei Dimensionen besteht, diesmal nicht nur die des Innen und Außen, sondern dazu noch die des Empfängers und Absenders. Liebesbekundungen oder Redewendungen wie Du bist alles, was ich will, deren Schriftzug von einer Zündschnur nachgebildet und dann an der Wand verbrannt wird. Zurück bleiben die Rußspuren mit dem Titel der Arbeit, mehr als nur ein platonischer Schatten, ein warnendes Mahnmal, wie elementar und doch auch flüchtig die Auswirkungen von Sprache sind.

Die Zeichnungen der in Berlin und Israel arbeitenden Künstlerin Cornelia Renz (Berlin/Israel) sind Gemeinschaftsproduktionen, die mit den Künstlern Joe Biel (Los Angeles) und Scott Hunt (New York) 2009 entstanden sind. Aus der Überwindung räumlicher Grenzen, einer gemeinsamen Kunstauffassung und dem Wunsch nach Zusammenarbeit entstand diese spielerische Kooperation nach dem Beispiel der Automatismustechnik der Surrealisten. Jeder der Künstler hatte je drei obere Köpfe, drei mittlere Rümpfe und drei Unterleiber zu bearbeiten, die in einer vorher definierten Reihenfolgen einander zugeschickt wurden. Dabei blieben die beiden Teile, die von den Kollegen zu bearbeiten waren, abgeklebt. Nur die Ansätze wurden angedeutet, um die Beliebigkeit in der Fortsetzung zu vermeiden. Somit war das gesamte Ergebnis weder in Bezug auf Farbigkeit noch Proportionen bis zum Ende vorhersehbar. Allen drei Künstlern ist in ihrem Werk eine Auseinandersetzung mit Themen um Macht, Dominanz, Identität, Sexualität gemein sowie eine Vorliebe für Bosch, Breughel und Goya.

Ulf Saupe erforscht Wasser fotographisch. Der Fotograf zeigt Cyanotypien von Wasseroberflächen. Die Cyanotypie, Blaudruck oder Eisenblaudruck, ist eine aus dem 19. Jahrhundert stammende Drucktechnik der Fotografie, die Saupe durch digitale Aufnahmemöglichkeiten erweitert hat. Durch UV- oder Sonnenlicht überträgt der Künstler die Wasserbilder auf das Papier. Wasser, ein Element das sich kaum beherrschen lässt, zeigt sich in seiner Unterschiedlichkeit vom stillen Bergsee bis hin zum stürmischen Meer, in seiner physikalischen Einzigartigkeit unvorhersehbar. In den malerisch wirkenden Bildern fließt der Blick unaufhörlich, dem Wasser gleich, über die Oberfläche der Bilder. Während klassische Print-Verfahren oftmals eine Moment-aufnahme von Wasser festhalten, entsteht durch die lebendige Oberfläche dieser besonderen Drucktechnik der Eindruck, man könne der Lebendigkeit des Wassers nachspüren. Die Bilder scheinen zwischen Malerei und Fotografie zu changieren.

Der künstlerische Ansatz von Nikola Ukics liegt in der Zusammenführung von Skulptur und Fotografie. Ukic gießt dafür sein bevorzugtes Arbeitsmaterial Polyurethan auf Folien, die er zuvor mit Bildmotiven gestaltet hat. Das sich auf diesem flexiblen Negativ unkalkulierbar ausdehnende Polyurethan verbindet sich im Verfestigungsprozess mit dem applizierten Bild. Dabei nimmt es eine skulpturale Form an, die zugleich selbst Bildträger wird. Ukic thematisiert in seinen Skulpturen und Bildwerken die Dynamik von Veränderungsprozessen, die nie zum Stillstand zu kommen scheinen: Veränderungen der äußeren Form von Dingen genauso wie Veränderungen unserer eigenen organischen Befindlichkeit. Obwohl aus einem chemischen Prozess gewonnen, haben die Gebilde, die er aus diesem Material modelliert, die Anmutung von etwas Organischem, von Wachsen und Vergehen, von menschlichen Körperteilen. Sie artikulieren auch als starre Formen die Suggestion der Verwandlung und ständigen neuen Formbarkeit des menschlichen Lebens.

Mario Weinberg zeigt ein Diptychon aus der Werkreihe ‚Interdependence‘. In dieser Reihe malt er 24 Einzelbilder, die sich je mit einer einzelnen malerischen Aussage beschäftigen. Dabei kann ein Pinselstrich eine eigene Semantik besitzen, als Kalligrafie gelesen werden, zur Figur werden oder selbstreferenziell sein. Farbflächen sind entweder als Farbverlauf eingesetzt, welcher als Form der Darstellung von Licht fungiert oder als monochrome Flächen. Diese können als Farbraum aufgefasst werden oder als farbig-geometrische Form. Eine unbehandelte Leinwand thematisiert die Oberfläche und deren Beschaffenheit als weiteres malerisches Stilmittel. Die entstandenen Einzelbilder werden per Losverfahren miteinander kombiniert. Die dabei zufällig gefundenen Gruppen werden zu einem zusammenhängenden und nicht mehr trennbaren Ganzen erklärt. So lässt Weinberg eine Spannung entstehen, die durch gegenseitige Bestärkung oder durch gegenseitige Entwertung der aufgezeigten malerischen Thesen stattfindet. Zusätzlich stellt dieses Vorgehen auf subtile Art Fragen über Originalität, Genialität und subjektive Empfindungen.

 

Eröffnung:  17. März 2017

Laufzeit:     18.03. – 06.04.2017

ÖFFNUNGSZEITEN:
Sa. + So. (18./19.03. & 25./26.03) 14:00 – 18:00 Uhr und geöffnet nach Rücksprache / hello@greengonzalez.de

 

ARTIST TALK
mit: Susanne Kutter, Cornelia Renz, Ulf Saupe, Nicola Ukic, Mario Weinberg
Moderation: GREEN I GONZALEZ
Samstag, 18 März, 15 Uhr