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Sweat Shop

Beteiligte Künstler: Katharina Arndt, Jim Avignon, Matthias Beckmann, Fritz Bornstück, Laura Bruce, Brad Downey, Emess, Philip Grözinger, Stefanie Gutheil, Karsten Konrad, Christoph Krönke, Dirk Lange, Maja Linke, Sarah Lüttchen, Ekaterina Mitichkina, Jan Muche, Johannes Mundinger, Manfred Peckl, Fritz Poppenberg, Ziska Riemann, Stefan Rinck, Bodo Rott, Sebastiaan Schlicher, Various & Gould 

SWEAT SHOP ist eine Perfomance

SWEAT SHOP ist eine Installation.

SWEAT SHOP ist mulitmedial.

SWEAT SHOP ist ein Simulacrum.

SWEAT SHOP ist weltweit.

SWEAT SHOP ist politisch.

SWEAT SHOP ist philosophisch.

SWEAT SHOP ist Kunst.

SWEAT SHOP ist ein Shop.

IDEE 

Der SWEAT SHOP ist ein interdisziplinäres Kunstwerk: Happening, Performance und Kunsthandel in einem. Zum Gallery Weekend Berlin schließen sich 28 KünstlerInnen im Kunstraum SCHAU FENSTER ein, um im Schichtbetrieb die kapitalistischen Bedingungen, unter denen Kunst produziert wird, sichtbar zu machen.

Der SWEAT SHOP zeigt dabei einerseits die Gemeinsamkeiten von Kunst und Geld auf. Gleichzeitig kommentiert der SWEAT SHOP die Produktionsweisen in einer globalisierten Welt und reflektiert die unterschiedlichen Herangehensweisen künstlerischer Produktion in Ost und West.

Anlässlich des Berliner Gallery Weekends, zu dem sich die internationale Kunstwelt in der deutschen Hauptstadt trifft, wird eine Gruppe Berliner KünstlerInnen unterschiedlicher Richtungen vier Tage lang im Kunstraum SCHAU FENSTER unter „Sweatshop Bedingungen“ arbeiten und Kunst produzieren. Alles was dem Künstler dabei während der jeweils 6-stündigen Schicht außer Farben zur Verfügung steht, sind ein Stuhl und eine Staffelei oder ein Tisch. In dieser Zeit hält sich der Künstler / die Künstlerin in dem 5 x 4 Meter messenden Raumsegment zwischen den das SCHAU FENSTER unterteilenden Säulen auf. So arbeiten jeweils vier KünstlerInnen gleichzeitig.

Im fünften Raum steht während der Geschäftszeiten Jan Kage, Kurator des SWEAT SHOPs und Leiter des SCHAU FENSTERs, und bietet dem interessierten Kunstliebhaber unterschiedliche Formate zur Auswahl an: Leinwände in den üblichen Maßen 30×40 cm und 60×50 cm und Papier in DINA4 und DINA3. Diese Formate werden zu einem fixen Grundpreis verkauft. Der Preis gilt also für das Format und berechnet sich vorerst nicht nach dem Ranking des Künstlers.

Ausgangspreise:

Leinwand: 50×40 cm – 100 €

60×50 cm – 150 €

Papier: DINA4 – 40 €

DINA3 – 70 €

Der Kunde ersteht einen solchen Bildträger, geht damit zum präferierten Künstler und übergibt ihm diesen zusammen mit einem Foto oder einer ähnlichen Vorlage oder einfach einer Bildidee. Künstler, mal dies!

Der SWEAT SHOP wird auf einer doppelten Bühne aufgeführt: Als Livestream einerseits. Und vor einem präsenten Publikum, denn beim SCHAU FENSTER handelt es sich tatsächlich um einen 25 Meter langen und viereinhalb Meter tiefen Raum. So kann das Publikum den arbeitenden KünstlerInnen bei der Umsetzung der Aufträge zusehen und bildet eine zweite Kontrollinstanz. Die Intimität des Ateliers wird gebrochen und durch das kalte, voyeuristische

Auge des Marktes ersetzt. Beziehungsweise: Die uns üblicherweise verborgenen üblen Arbeitsbedingungen in den Sweatshops werden sichtbar gemacht.

Sollte sich die Arbeiten eines Künstlers im Vergleich zu seinen Kollegen/Konkurrenten besser verkaufen, wird dieser Umstand fortan im Preis der angebotenen Formate reflektiert. Eine entsprechende Grafik illustriert Erfolg bzw. Misserfolg der Künstler. Die Dow Jones-Kurve. So stehen die KünstlerInnen in direkter Konkurrenz zueinander. Denn tatsächlich scheint sich die breite Öffentlichkeit ja auch mehr für die Rekordpreise der Top-Künstler zu interessieren, als für die Inhalte der Kunst oder die Malerei an sich. Die Reduktion auf den Reingewinn setzt künstlerische Arbeiten, die aufgrund ihrer Inhalte eigentlich als nicht vergleichbar gelten müssten, in ein direktes Konkurrenzverhältnis. Rekordpreise sind die einzigen Sensationen der Kunstwelt, die auf ein breites öffentliches Interesse treffen.

THEORIE 

Auch wenn Generalisierungen per se schwierig und ungenau sind, gibt es doch gewisse Unterschiede im westlichen und östlichen Kunstverständnis. In der westlichen, modernen Tradition zum Beispiel kopieren Künstler nicht (es sei denn der Akt des Kopierens ist Teil des künstlerischen Statements). Sie folgen ihren eigenen künstlerischen Absichten und verleihen dabei ihrer Individualität freien Ausdruck. Ein Kunstwerk definiert sich ganz wie das sie produzierende Individuum durch seine Einzigartigkeit. In der östlichen Tradition hingegen übten die jungen Künstler die Maltechniken der Kopie an den Kunstschulen und nur der wahre Meister interpretierte frei.

Die Performance reflektiert diesen grundsätzlichen philosophischen Unterschied im östlichen und westlichen Kunstverständnis. Die SWEAT SHOP-KünstlerInnen nehmen die Aufträge zwar an. Aber sie kopieren nicht fotorealistisch, detailgetreu. Sie interpretieren frei. Der Kunde investiert also in den Stil des jeweiligen Künstlers. Es ist die östliche Art in einer westlichen Facon.

Durch die Inszenierung des kapitalistischen Prinzips, Leistung zu entlohnen (und bei gleichzeitiger Reflektion der beschriebenen kulturellen Unterschiede) bezieht sich der SWEAT SHOP auch auf die Produktionsbedingungen in der globalisierten Welt. Denn die realen Sweatshops der Schwellenländer sind die outgesourcte, moderne Variante des Manchester-Kapitalismus. Billigarbeit wird dorthin exportiert und von einem Heer über-ausgebeuteter Werktätiger in baufälligen Fabrikgebäuden verrichtet. Diese brutalen und unmenschlichen Produktionsbedingungen sind die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sind günstige T-Shirts, Hosen und Smartphones für uns alle. Und, glaubt man der Theorie, der Beginn des ökonomischen Aufstiegs für die entsprechende Region.

Da wir gerade von Medaillen oder Münzen sprechen, kommen wir zum letzten Aspekt der SWEAT SHOP-Idee. Genauso wie Geld, repräsentiert Kunst Wert auf eine abstrakte Weise. Ein hundert Euro Schein wird auf Papier mit einem Materialwert von einigen Cent gedruckt. Das Einverständnis einer Leinwand mit Ölfarbe darauf einen Geldwert von mehreren Million Euro zu zuerkennen, ist dasselbe, wie beim Geldschein.

Um diese Parallele zwischen Kunst und Geld- bzw Aktienmarkt zu reflektieren, werden die Verkäufe des SWEAT SHOPs einer an Aktienkurse angelegten Grafik visualisiert. Die Dow Jones-Kurve. Verkauft Künstler A am laufenden Band, während Künstler C keine Aufträge kriegt, steigt die Kurve von Künstler A ebenso wie seine Preise an, während die von Künstler C stagnieren.

ONLINE 

Das Diagramm wird sowohl im SCHAU FENSTER selbst auf Monitoren angezeigt, als auch live ins Internet gestreamt. Wer also von Hongkong aus zusehen und einen Auftrag abgeben will, kann dies problemlos tun. Den Lieblingskünstler auswählen, ein JPEG des gewünschten Motivs schicken, über Paypal bezahlen und dann zusehen wie die Kurve steigt.

SWEAT SHOP reflektiert das Verhältnis von zeitgenössischer Kunst zum Kunstmarkt und wird als Performance gleichzeitig und kapitalistisch auf die globale Bühne gebracht. Das Medium reflektiert also das Thema hundertprozentig. Total. So total, wie die Kraft und Natur des Kapitalismus selbst. Nur dass die Kunst stärker und langlebiger ist. Kunst ist für die Ewigkeit. Vom Kapitalismus wird nichts bleiben.

Der SWEAT SHOP ist ein gemeinsames Projekt, das Jan Kage initiiert hat und bei dem der Künstler Philip Grözinger beratend hilft und Samsarah Lilja das Vorhaben mit ihrer langjährigen Erfahrung in Strategie, Design und Webentwicklung unterstützt. Sie ist maßgeblich für die Umsetzung der sweatshop-Plattform zuständig.

Parallel werden Werke der beteiligten KünstlerInnen gezeigt, die nicht im Rahmen der Performance von SWEAT SHOP entstandenen sind. Die Gruppenausstellung BEHIND THE SWEAT SHOP befindet sich im zu

diesem Anlass erstmalig geöffnet Projektraum +1 im Hinterhof des SCHAU FENSTERs.

 

ÖFFNUNGSZEITEN
Donnerstag, 28.April: 16 bis 22 Uhr
Freitag und Sonnabend, 29. Und 30.April: 10 bis 22 Uhr
Sonntag, 1. Mai: 12 bis18 Uhr

 

BEHIND THE SWEAT SHOP
Vernissage der originalen Arbeiten der Sweat Shop KünstlerInnen

Donnerstag, 27. April: 19 bis 01 Uhr
Ab 19 Uhr: Podiumsgespräch mit DREW HAMMOND (Kunstkritiker und früher Senior International Correspondent für den Art Economist)

 

 

Möglich durch die kapitalistische Unterstützung von Modulor. Material Total.
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