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2te 11te INTERVENTIONALE

Die Ausstellung läuft noch bis einschließlich Sonntag – letzte Chance sie zu sehen!

Die randständige Kultur, die große Wiese, da wo alle schönen Blumen blühen!
Das Schöne findet man nicht immer da, wo man es vermutet und erwartet. Das wirklich Schöne ist deshalb schön, weil es einen unerwartet trifft, weil es verblüfft und weil es anders ist, als all das, was man allgemein schön findet. Das Schöne ist neu. Und es entsteht durch Reibung.

„Die randständige Kultur, die große Wiese, da wo alle schönen Blumen blühen“, den Satz schnappte ich unlängst auf. Und er trifft, was ich meine, auch wenn die in der „2ten 11ten INTERVENTIONALE“ ausstellenden Künstler keine randständigen sind. Aber die Orte, an denen sie ihre Kunst zuerst zeigten, wo sie diese inszenierten, sind Orte, an denen man genuin keine Kunst erwartet hätte. Ihre Kunstwerke sind aus Material gefertigt, das man nicht als wertig wahrnimmt. Sie blühen im öffentlichen Raum. Und dies nicht, weil man die Künstler dazu eingeladen hätte, sondern als selbstbemächtigter Akt. Als gesetztes Zeichen. Als urbane Kommunikation des Künstlers mit der Öffentlichkeit.

Nach dem großen Erfolg der „ELFTEn INTERVENTIONALE“, die von Oktober bis Dezember 2014 im Berliner Kunstverein Haus am Lützowplatz gezeigt wurde, findet die „2te“-Ausgabe nun im Kunstraum der IG Metall statt. Es werden neben erstmalig gezeigten Dokumentationen herausragender urbaner Interventionen Berliner Künstler auch eigens für die Ausstellung konzipierte Interventionen ausgestellt.

Der Ausstellungsraum der IG Metall ist dabei ein sehr passender Ort für die urbanen Interventionisten. Die Frage, was die Gewerkschaft denn mit Kunst zu schaffen hat, liegt selbstverständlich nahe. Ist sie nicht für Tarifverhandlungen und Arbeitskämpfe zuständig, während sich die Künste um das Schöne und Hehre zu kümmern haben? Nun, zum Teil ist dem so.

Die Gewerkschaften waren aber auch immer Institutionen, denen die Volksbildung sowie das Eintreten für und die Verteidigung der elementaren Menschenrechte Auftrag waren. In Zeiten wie diesen, in denen Reichtum an immer kleinere gesellschaftliche Kreise verteilt wird und sich daraus international, wie national soziale Konflikte ergeben, die in ihren Konsequenzen die Grundfeste unserer Ordnung bedrohen, in denen rechte Agitatoren mit ihrem Hass und ihrer Hässlichkeit einen Echoraum tief in der Gesellschaft finden, ist ein Austausch zwischen einer Arbeitnehmerorganisation und Künstlern spannend und kann nur fruchtbar sein. Denn die hier ausgestellten Künstler verhandeln zum Teil Inhalte, die sozialer wie politischer Natur sind.

Die künstlerische Intervention im Stadtraum ist eine sehr unmittelbare Interaktionsform zeitgenössischer Kunst. Ein starkes Anliegen, sei es rein künstlerischer oder aber auch sozialer und politischer Natur ist der Ausgangspunkt. Die Kunst tritt aktiv in die Außenwelt, wird nicht im dafür vorgesehenen White Cube, der Galerie oder dem Museum präsentiert. Der Künstler sucht die Friktion mit der Realität, der die Kunst sowohl selbst entspringt, die sie aber auch in einem rückgekoppelten Prozess zu prägen versteht. Keiner hat den Künstler darum gebeten. Sein Engagement ist rein advokatorisch und kommt vom Müssen.

So unterschiedlich die hier gezeigten Künstler und ihre Arbeiten auch sind: Ihnen gemein ist die Bühne Stadtraum. Die „2te ELFTE INTERVENTIONALE“ präsentiert aktuelle Arbeiten von in Berlin lebenden, internationalen Künstlern.

Am Abend der Vernissage gibt der Musiker Andrew Unruh von der Gruppe Einstürzende Neubauten ein Konzert auf selbstgebauten Instrumenten, bestehend aus im Stadtland gefundenen Metallobjekten. Und die Schauspielerin Saralisa Volm trägt das Gedicht „Der lesende Arbeiter“ von Bertold Brecht vor, nachdem auch die Skulptur von Various & Gould benannt ist. Auch das passt also bestens zum Ort.

Agieren. Intervenieren. Kommunizieren.
Für eine bessere Zukunft,

Jan Kage, Januar 2016

Teilnehmende Künstler
Beteiligte Künstler:
Bram Braam
Brad Downey
Gerd Rohling
Various & Gould
Endruh Unruh (Einstürzende Neubauten)
The Wa
Raul Walch
Saralisa Volm trägt „Der lesende Arbeiter“ von Bertolt Brecht vor

@Ausstellungsraum der IG Metall
Alte Jakobstraße 149
10969 Berlin

Öffnungszeiten: Mo bis Do von 9:00 bis 18:00 Uhr
Fr von 9:00 bis 14:30 Uhr
Eintritt frei